05.04.2020 10:55

Ein kleiner Rückblick auf den Kongress!

Auf der Suche nach Mokele-Mbembe

Autor: Tobias Möser

Wir schreiben Samstag, den 12. Oktober 2019. Die Suche nach Mokele-Mbembe war mein Ziel, aber zunächst gestaltete es sich als Suche nach dem Galileo-Park. Das Navi hatte mich kurz vor Olpe von der Autobahn gelotst. Nicht nur die Seen und die herbstlich bunten Wälder, sondern vor allem die Straßendörfer des Sauerlands ziehen an mir vorbei. Orte mit so exotischen Namen wie Kirchveischede oder Altenhundem säumen die Straßen. Doch nach dieser Exotik stand mir nicht. Ich suchte etwas vergleichsweise „normales“: Irgendjemand hat hier, mitten im tiefsten Sauerland einige Pyramiden in die Landschaft gestellt.

Endlich geht es los

Doch auf mein Navi ist Verlass. Irgendwann meldet es „in 200 m rechts abbiegen“ und siehe da, auf einem gelben Straßenschild sind sie angekündigt. Es geht weg von der Bundesstraße, rein in ein Industriegebiet und dann beginnt die Steigung: viele viele hundert Meter quält sich die Straße steil den Hang hinauf. So ist zumindest der Eindruck, bis sie auf etwa halber Höhe ihr Ende findet: Parkplätze.

Früher Vogel

Es ist neun Uhr, kurz nach Eröffnung des Parks. Der Galileo-Park, der einen großen Teil des Pyramiden-Areals einnimmt, umfasst einen Eingangstempel, der zur Hauptpyramide leitet, dann eine Wissenschaftspyramide, eine Ausstellungspyramide und die Showpyramide, in der Vorträge gehalten werden können.

Obwohl wir wirklich früh sind, merkt man schon die Schatten großer Ereignisse nahen. Der Bereich um die Showpyramide ist bereits bevölkert. Die Kryptozoologen stehen hier zu zweit oder in kleinen Gruppen herum, ins Gespräch vertieft. Immer wieder gibt es ein kleines oder größeres Hallo, wenn jemand Neues eintrifft. Im Innern des Tempels hat der Veranstalter einige Duplikate rätselhafter Objekte ausgestellt. Aber hauptsächlich dient er als Kommunikationszentrum, Werner Betz vom Ancient Mail Verlag hat hier einen Büchertisch aufgebaut. Hans-Jörg Vogel begrüßt mich, wobei ich schon daran denke, was vor der Veranstaltung noch zu tun ist.

Schnell noch ein paar Worte mit dem Veranstalter wechseln: Wolfgang Schmidt, Gründer des Parks, hat zusammen mit dem Netzwerk für Kryptozoologie eingeladen. Doch bevor es fachlich werden kann, muss noch die Technik geklärt werden. Ja, obwohl ich keinen Vortrag halte – Mokele-Mbembe ist wirklich nicht mein Thema – habe ich mich überzeugen lassen, die Veranstaltung zu moderieren. Zum Glück ist die Technik einfach: die Mikrofone haben einen Schiebeschalter, nach oben = an, nach unten = aus. Die Technik scheint robust zu sein.

Zehn Uhr, es geht los – oder auch nicht

Kurz vor Zehn füllt sich die Pyramide so langsam. Die Galileo-Park-Mitarbeiter haben nicht nur Stuhlreihen, sondern auch Tische aufgestellt. Und auf den Tischen türmen sich die Unterlagen: eine ganze Mappe mit Infomaterial zum Galileo-Park und den aktuellen Ausstellungen, auch Hans-Jörg Vogel, der Initiator hat sich nicht lumpen lassen, ein Kugelschreiber und ein Dinosaurier-Modell krönen die Handouts. Doch eines haben alle vergessen: Wenn am Ende eine Podiumsdiskussion stattfinden soll, brauchen wir Schreibpapier, auf dem die Fragen notiert werden können. Die Galileo-Park-Mitarbeiter sind fix und schaffen es, überall fast unbemerkt einen Block unter zu schieben.

Zwei Minuten vor dem Start informiert mich jemand, dass auf der Sauerlandlinie Stau ist und einige der noch fehlenden Teilnehmer da möglicherweise drinstehen. Ich soll mir bei der Begrüßung ein wenig Zeit lassen. Kein Problem, quatschen kann ich. Der ein oder andere Teilnehmer erinnert sich vielleicht mit Schrecken an einen Sasquatch-Vortrag in Berlin vor einigen Jahren, bei dem ich die Redezeit „etwas“ überschritten hatte.

Also folgte die Begrüßung, Dank an den Veranstalter und die Androhung, so lange Stand-Up-Kryptozoologie zu machen, bis die letzten Sitze besetzt sind. Ein Lacher, wunderbar, das Publikum reagiert. Zwischenzeitlich flutschen tatsächlich noch zwei Leute rein und ich kann Hans-Jörg Vogel, Initiator der Veranstaltung und Integrationsfigur der Szene anmoderieren.

Die deutschen Afrikaforscher

Hans-Jörg hat in den öffentlichen Berliner Archiven zunächst nach den Aufzeichnungen und sonstigen „Hinterlassenschaften“ der beiden Afrikaforscher Hans Schomburgk und Ludwig Freiherr von Stein zu Lausnitz.

Ludwig Freiherr von Stein zu Lausnitz war einer der ersten deutschen Offiziere in Kamerun, ein Land, das ihn offenbar nicht mehr losließ. Während seiner dortigen Tätigkeit unternahm er ausgedehnte Expeditionen durch das Bezirksgebiet, bei denen er wertvolle Daten über Geographie, Bevölkerung, Flora und Fauna des Landes sammelte. In der Folge besuchte er verschiedene Landesteile, die kaum kartiert waren. Stein zu Lausnitz war der erste Ausländer, der auf einer Expedition im Jahr 1913 im Flussgebiet des Likouala-aux-Herbes gezielt Berichte über Mokele-Mbembe sammelte. Die einheimischen Pygmäen zeigten ihm einen Pfad, den das Wesen durch den Dschungel gezogen haben soll. Endgültig verlassen hat Stein Kamerun erst 1916 nach fast 20 Jahren.

Hans-Jörg konnte teilweise Einblick in das Archiv der Familie nehmen und dort auch Original-Aufzeichnungen des Reisenden zu Gesicht bekommen.

Auch Hans Schomburgk betrat recht früh, im Alter von 17 Jahren Afrika: 1898 zog er auf eine Farm in Südafrika, trat aber bald in die Nadal-Polizei ein und nahm an der Seite der Briten am Burenkrieg teil. 1906 begann er seine erste Expedition in die feuchten Tropen, nach Angola. Zunächst tat er das als Großwildjäger, jedoch begann er bald, die Flinte gegen die Kamera einzutauschen und nahm mehrere Kameramänner auf seine Reisen mit. Einige dieser Expeditionen organisierte er im Auftrag der Familie Hagenbeck, die neue Tiere für Zoo und Zirkus erhalten wollte. So konnte Schomburgk unter anderem das zweite Zwergflusspferd lebend nach Europa schicken. Andere Tiere, die er bei seinen Reisen sammelte, füllten das Magazin des Berliner Naturkundemuseums.

Auch hier hatte Hans-Jörg die Möglichkeit, in die Aufzeichnungen Einblick zu gewinnen und sogar, mit einer Enkelin des Afrikaforschers zu sprechen.

Michel Ballot im Kongo und in Kamerun

Der zweite Vortrag des Vormittags kam von Michel Ballot. Ballot ist seit vielen Jahren in der Kryptozoologie aktiv und hat sich der Suche nach Mokele-Mbembe verschrieben. Er zeigte zahlreiche Bilder von seinen letzten Expeditionen ins Grenzgebiet zwischen Kamerun und Kongo. Die Bilder zeigten nicht nur eventuelle Fußspuren des Mokele-Mbembe, sondern auch potenzielle Nahrung und hinterließen einen bleibenden Eindruck über den Lebensraum des Kryptides.

Ballot, der regelmäßig in diese Gegend reist, zeigte auch deutlich die Schwierigkeiten auf, die eine solche Reise mit sich bringt. Eine bewaffnete Eskorte ist mittlerweile obligatorisch, sonst lassen die staatlichen Autoritäten die Reise nicht zu. Zu groß ist die Gefahr, paramilitärisch organisierten Banden von Elfenbeinwilderern zu begegnen.

Den ursprünglich vorgesehenen Vortrag konnte Michel Ballot nicht halten, da ein einstündiger Talk für den einzelnen Übersetzer kaum zu leisten ist. Francois de Sarre, der nach Kräften übersetzte, war am Ende der Bilderserie auch spürbar am Ende seiner Kraft. Der abschließende, etwa zehnminütige Film war zum Glück so eindrücklich, dass er keiner weiteren Worte bedurfte.

Die anschließende Mittagspause wurde zu reichen Diskussionen, aber auch zum Besuch der eindrucksvollen Ausstellung in den Pyramiden genutzt. Andere lud das wundervolle Herbstwetter an, es sich einfach nur in der Sonne gut gehen zu lassen.

Nach der Mittagspause folgten zwei weitere Vorträge.

Eineinhalb Stunden Mittagspause sind lang – oder kurz, wenn man viele Gespräche führen möchte. Doch zunächst gabs Gulaschsuppe, sogar ziemlich gute. Auch die Gespräche waren gut, und noch wichtiger: produktiv, auch für die NfK-Webseite. Dem nächsten Referenten konnte ich dann noch ein wenig die Manschetten nehmen, ich würde ihn bei der Anmoderation in die Pfanne hauen.

Dabei hatte ich mich ganz besonders auf ihn gefreut. Thomas Piotrowsky aus Havelberg ist zwar dem Alter entwachsen, das man sich üblicherweise bei einem „Einsteiger“ vorstellt. Aber er ist neu in der Szene und wir freuen uns über jedes neue Gesicht.

Auf Echsenjagd im virtuellen Afrika

Die Idee zum Vortrag von Thomas Piotrowsky entstand, als ein Bekannter ihn auf Mokele-Mbembe aufmerksam machte und fragte, ob man möglicherweise Pfade oder das Tier selbst in Satellitenaufnahmen erkennen könne. Anstatt das konsequent zu verneinen, machte sich der Referent daran, die Frage für sich zu beantworten.

Er suchte sich Satellitenfotos aus der entsprechenden Region, diesmal in der klassischen Mokele-Mbembe-Region um den Télé-See im Kongo. Erster Ansprechpartner ist hier natürlich Google-Maps, das auch viele, recht detaillierte Fotos liefert. Der Referent stellte jedoch bald fest, dass die Fotos bearbeitet sind. So wird Wasser beispielsweise blau nachgefärbt, obwohl es auf Satellitenaufnahmen schwarz aussieht.

Also machte er sich auf die Suche nach unbearbeiteten Aufnahmen, die er auch bekam. Auf einer dieser Aufnahmen, dem Bild 20170509 fand er eine Struktur, die er als „Reptil in Bewegung“ interpretierte.

Um diese Annahme zu bestätigen, griff er zu einem ungewöhnlichen, ja genialen Trick. Die Computerspiel-Konsole X-Box kann ein Spiel hosten, dessen Landschaft man selbst gestalten kann. Hierbei kann der Terraformer die Landschaft aus der Satellitenperspektive formen und sie sich dann aus als Fußgänger ansehen. Mit viel Geduld gelang es Thomas, die Landschaft des Bildes nachzuformen und sie dann zu erkunden – und siehe da: Das Reptil und der vermeintliche Hügel, auf dem es saß, tauchten wieder auf. Ebenso zeigte die virtuelle Landschaft regelmäßig verwendete Pfade und Orte, an denen sich ein großes Tier öfter aufgehalten haben könnte.

Mit der Verwendung der X-Box für die Umformung von Satellitenaufnahmen gab es so in der Kryptozoologie noch nicht. Ob die Interpretation dem realen Wald um den Lac Télé entspricht, wird die Zukunft zeigen.

… und wenn doch?

Der letzte Referent des Tages war Wolfgang Schmidt, als Chef des Galileo-Parks auch der Gastgeber. In seinem sehr unterhaltsamen Vortrag versuchte er vor allem, Zweifel am Aussterben der Nichtvogel-Dinosaurier an der KT-Grenze zu säen. Fehlende fossile Überlieferungen wurden mit den fehlenden Überlieferungen von Lazarus-Arten wie dem Quastenflosser ad acta geführt. Ein sehr interessanter Punkt war der Hoatzin. Dieser Vogel zeigt bemerkenswerte Merkmale, so haben Jungvögel und manchmal auch die Altvögel noch ausgeprägte Krallen an den Flügeln. Das Brustbein ist stark reduziert, so dass die Vögel nur zu kurzen, eher ungeschickt wirkenden Flügen fähig sind.  Diese beiden Merkmale, eine ähnliche Größe und die Tatsache, dass Archaeopteryx früher häufig in Erdfarben (wie der Hoatzin) dargestellt wurden, suggerieren eine direkte Verwandtschaft.

Versteinerte Objekte wie ein in Kalkstein eingesinterter Hammer und ein in einem Stiefel verkieselter Fuß könnten nach Meinung des Vortragenden die bisherigen Systeme der Altersbestimmung in Frage stellen. Wenn menschengemachte Objekte bereits versteinert sind, müssen dann alle Versteinerungen „alt“ sein?

In der letzten Sequenz befasste sich der Referent mit Dinosaurier-Fußspuren, die in einer Schicht mit Spuren vermeintlich menschlicher Füße und Hände gefunden wurden.

Insgesamt ließ Wolfgang Schmidt an allem, was als „gegeben“ hingenommen wurde, Zweifel wachsen. Zweifel vermeintlich Bekanntes noch einmal zu hinterfragen, Zweifel, wie sie für jeden, der sich mit Kryptozoologie befasst, wichtig sind.

Die Podiumsdiskussion

Die An- und Abmoderation der Referenten, Überbrückung der Technikpausen und etwas zum Schmunzeln zwischendrin, das war für mich nur der kleinere Teil der Moderation. Der Hauptpart musste erst kommen: die Podiumsdiskussion. Die Theorie recht einfach: Das Publikum stellt Fragen und einer der auf dem Podium sitzenden Fachleute beantwortet sie.

In der Praxis bedeutet das aber auch, eventuellen Selbstdarstellern sowohl im Publikum wie auf dem Podium den Wind aus den Segeln zu nehmen, bzw. als Fragen getarnte Statements gar nicht erst zuzulassen. Um nicht direkt mit den wichtigsten Fragen zu beginnen, habe ich die Diskussion mit einer Frage zu Früchten eröffnet, die Michel Ballot im Kongo gefunden hat. Die Früchte brachten uns zwar nicht wirklich weiter. Sie setzten aber eine lebhafte Diskussion in Gang, die sich vor allem um Michel Ballot und seine Reisen drehte.

Über die Motivation der beiden deutschen Afrikaforscher und den Nutzen der erste vor kurzem in den Methodenpark der Kryptozoologie eingeführten eDNA-Untersuchungen bis hin zum eher esoterischen Remote-Viewing gingen weitere Fragen. Wie immer war die Zeit viel zu kurz, um alles zu klären, insbesondere Michel Ballot und sein Übersetzer Francois de Sarre sahen sich nach der öffentlichen Diskussion noch zahlreichen Fragen ausgesetzt.

Einmalige Gelegenheit

Da der Galileo-Park versprochen hatte, seine Ausstellung noch eine Stunde nach Ende der Podiumsdiskussion geöffnet zu lassen, gab es für die Teilnehmer eine einzigartige Möglichkeit. Sie hätten mit der Raumfahrtsimulation den Moderator auf den Mond schießen können.

Niemand hat davon Gebrauch gemacht…

(Artikel gekürzt – Vollständiger Artikel mit Fotos auf der Homepage des Netzwerk für Kryptozoologie (NfK) unter folgendem Link: https://netzwerk-kryptozoologie.de/mokele1/  und  https://netzwerk-kryptozoologie.de/mokele2/ )



 

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