„Tor zur Urzeit“ im Schleswig-Holsteinischen Brügge – Zwischen Erdgeschichte, Mythos und Kryptozoologie

 

von André Kramer / Neumünster

 

Im hohen Norden, in dem kleinen Ort Brügge, gelegen zwischen Kiel und Neumünster in Schleswig-Holstein ist seit einigen Jahren ein von dem Verein „Tor zur Urzeit e.V.“ betriebenes Museum zu besichtigen, das unter demselben Namen geführt wird.

Das Museum Tor zur Urzeit führt den Besucher quer durch die Jahrtausende erdgeschichtlicher Geschichte und illustriert diese anhand von Fossilien, Repliken und informativen Schautafeln.

Zu den Exponaten zählen unter anderem, ein Mammutskelett, ein Höhlenbär und sogar ein Stegosaurus. Darüber hinaus bietet es Gesteine und Fossilien, die vornehmlich aus norddeutschen Fossil-Lagerstätten stammen.


Abb. 1)  Mammut-Exponat im Museum (Foto: André Kramer)

 

Soweit ein zwar interessantes Museum, das es in ähnlicher und oft wesentlich imposanterer Form auch in vielen anderen Städten zu sehen gibt. Und klar ist, mit einem Senckenbergmuseum oder ähnlich thematisierten großen Naturkundemuseum kann Tor zur Urzeit sicher nicht konkurrieren.

Was Tor zur Urzeit aber dennoch zu etwas Besonderem macht, das ist die Verknüpfung von Erdgeschichte mit der Mythologie – und so bekommt die Sammlung auch ein Gesicht, das Interessierte der Kryptozoologie aufhorchen lassen könnte! Denn neben beschriebenen Exponaten gibt es zum Beispiel auch ein großes Modell eines Zyklopen zu sehen. Daneben den Schädel eines Elefanten, der illustrieren soll, wie die Vorstellung des einäugigen Riesen möglicherweise entstanden sein könnte. Außerdem zu sehen gibt es ein waschechtes Skelett eines Einhorns. Dieses Bastelwerk aus dem 18. Jahrhundert ist ein Konglomerat verschiedenster Tiere. Das Horn eines Narwals, der Schädel eines Wollhaarnashorns, Mammutknochen...

Abb. 2) Einhorn aus den Knochen verschiedener Tiere (Foto: André Kramer)

Auch einen Basilisken gibt es zu sehen, ein mythologisches Wesen, das Elemente von Vögeln und Reptilien vereinte und oft mit Flügeln dargestellt wurde. Bei dem Exponat handelt es sich abermals um eine etwa 100 Jahre alte „Bastelarbeit“, die aus einem Rochen hergestellt wurde. Derartige Präparate bezeichnet man auch als Jenny Haniver – ein ganz ähnliches Exemplar ist zum Beispiel im naturhistorischen Museum in Wien zu besichtigen und wurde vor einigen Monaten sogar Thema  in der Zeitschrift „Mysteries“.[1]


Abb. 3) Jenny Haniver im Tor zur Urzeit (Foto: André Kramer)

 


Abb. 4) Jenny Haniver im naturhistorischen Museum in Wien (Foto: André Kramer)

 

Leider ließ sich ein ursprünglich angedachtes großes Highlight nicht in der Art verwirklichen, wie es ursprünglich angedacht war. In den 1840er Jahren ging ein gewisser Albert Koch mit dem mehr als 30 Meter langen Skelett einer „Seeschlange“ erst in den USA, dann in Europa auf Tour. Wie sich später herausstellte, handelte es sich um die Reste mehrerer Basilosaurier – urtümlicher Wale – die von Koch kunstvoll zusammengesetzt wurde.[2]  Der Basilosaurus wurde in der Zeit seiner Entdeckung auch von anderen als urtümliche Seeschlange rekonstruiert.[3]

Kochs Rekonstruktion sollte ursprünglich Grundlage für ein Exponat werden, das vollständig das einzige seiner Art gewesen wäre. Man wollte den Basilosaurus als original große Seeschlange rekonstruieren. Nach anfänglich positiven Aussichten, über Spenden das Projekt vollständig zu finanzieren,[4] musste ich bei meinem letzten Besuch im Museum im Sommer 2013 leider erfahren, dass die Gelder nicht reichten und man sich nun mit einer Teilrekonstruktion begnüge müsse.

Doch trotzdem lohnt sich der Besuch des kleinen, ambitioniert betriebenen Museums für Interessierte alle Male, gerade aufgrund seiner interessanten Verbindung von Wissenschaft und Mythologie.

 


Abb. 5) 2012 – die Pläne für die Rekonstruktion der „Seeschlange“. Verzeichnet sind die schon vorhandenen Teile (Foto: André Kramer)

 


Abb. 6) Das vorläufige Endergebnis 2013 (Foto:  André Kramer)

 

Quellen:

Albers, Johannes: Die „Seeschlange“ des Albert Koch. Auf: http://www.cetacea.de/palaeocetologie/basilosaurus/basil_02.php (o. J.), gesichtet am 24.01.2014

Habeck, Reinhard: Der sagenhafte Basilisk – gab es ihn wirklich? In: Mysteries Nr. 5 Sept./Okt. 2012

Lange, P. Werner: Seeungeheuer. Fabeln und Fakten. Leipzig: VEB F. A. Brockhaus 1979

Tietgen, Sven: Projekt Seeschlange. Auf: http://www.torzururzeit.de/projekt-seeschlange.html (o. J.) , gesichtet am 24.01.2014 

 


[1]Vgl. Habeck 2012, S. 52 ff.

[3]Vgl. Lange 1979, S. 27

 

Anmerkung: Bild 4: Exponat wird im Museum in Wien auch als "Basilisk" bezeichnet (Info: H.-J. Vogel).



Wie werde ich Kryptozoologe? - Kleine Hinweise

 

Markus Hemmler / Wiernsheim

Eine der immer wieder auftauchenden Fragen von jungen, an der Kryptozoologie interessierten Menschen, ist die Frage, wie man Kryptozoologe wird beziehungsweise ob, wie und wo man Kryptozoologie studieren kann. Der folgende Artikel wird diese Fragen klären und einige Tipps zur Berufswahl rund um die Kryptozoologie geben.

Entgegen dessen, dass der Begriff "Kryptozoologie" im allgemeinen Verständnis eine dahinter stehende wissenschaftlich-akademische Ausbildung impliziert oder zumindest eine fachspezifische Berufsausbildung, ist dies nicht der Fall. Kryptozoologie ist keine anerkannte Wissenschaft, beziehungsweise kein anerkannter Wissenschaftsbereich, daher ist kein Studium vorgeschrieben. Da sie ebenfalls kein anerkannter Beruf ist, erfordert sie des weiteren auch keine berufsspezifische Ausbildung. Aus diesen Gründen kann sich grundsätzlich jeder, der dies möchte und sich mit der entsprechenden Thematik beschäftigt, legal "Kryptozoologe" nennen, womit es somit in der subjektiven Ansicht jedes einzelnen liegt, wer tatsächlich zu Recht diese Bezeichnung führt und wer nicht.

Ein Studium mit Bezug zur Kryptozoologie

Da die Kryptozoologie per Definition eine Methodik der Zoologie ist und prinzipiell wissenschaftliches Arbeiten erfordert, sind dies (nach Ansicht der meisten, die sich ernsthaft mit der Kryptozoologie beschäftigen) zuförderst natürlich studierte Personen. Kryptozoologie selbst kann jedoch nicht studiert werden. An keiner akademischen Lehranstalt oder anderer vergleichbarer Einrichtung gibt es dementsprechend ein Studienfach oder ein Programm für Kryptozoologie. Zwar verwenden gelegentlich einzelne Personen oder einige wenige Universitäten die Kryptozoologie für entsprechende Kurse, darüber hinaus wird jedoch nichts angeboten. Nichtsdestotrotz bieten sich für diejenigen, die ein Studium beginnen möchten und dabei einen Bezug zur Kryptozoologie suchen, mehrere Möglichkeiten. Da Kryptozoologie eine zoologische Methodik ist, liegt es als erstes natürlich nahe, Biologie,
Tiermedizin, Forstwissenschaft, Geographie u. ä., zu studieren um später als Zoologe zu arbeiten. Aufgrund des interdisziplinären Charakters dieser Methodik stehen aber auch andere Studien- bzw. Wissenschaftsrichtungen wie die Paläontologie, Ökologie, Linguistik, Ethnologie, Journalismus usw. offen, die bei der Anwendung der kryptozoologischen Methodik nützlich sind.

Eine Ausbildung mit Bezug zur Kryptozoologie

Auch wer nicht studieren möchte, kann sich später mit seinen beruflichen Kenntnissen oder Möglichkeiten möglicherweise sinnvoll mit Kryptozoologie beschäftigen. Zwar wird letztlich zur wissenschaftlichen Auswertung, beziehungsweise Beschreibung, die Fachkenntnis eines Biologen notwendig sein, doch die Methodik selbst ist nicht auf diese beschränkt - ganz ähnlich wie zoologische Arbeit auch nicht immer Zoologen erfordert. Alle Berufe, die einen in fremde Länder führen, mit Schrifttum, Sprache o. ä. zu tun haben, können durchaus geeignet sein, um verborgenen Tieren auf die Spur zu kommen. So könnte zum Beispiel ein Arzthelfer, der sich humanitär in Afrika beschäftigt, nebenher Recherchen und Interviews betreiben, der Bibliotheks-Assistent alte Bücher auswerten usw.

Kryptozoologie sollte nur Nebensache sein

Unabhängig davon, ob man nun eine Berufs- oder akademische Ausbildung anstrebt, die Wahl des späteren Berufes sollte unbedingt nach der eigenen persönlichen Neigung und dem eigenen Interesse erfolgen, denn wer nicht auch für diese "Ersatzwahl" Interesse mitbringt, der wird es in späteren Jahren nur bereuen!

Wer all das beherzigt und sich in das recht starre Gefüge der herkömmlichen Wissenschaften einfügt, der hat das Potential zum professionellen Kryptozoologen...

"You could become tomorrow's Ruth Harkness, the discoverer of the
Giant panda (Ailuropoda melanoleuca) or Hans Schomburgk, the discoverer of the
Pygmy hippopotamus (Hexoprotodon liberiensis).
"
( Loren Coleman)

Quellennachweis:



  • Arment, Chad: "Cryptozoology
         - Science or Speculation?
    " Landisville:
         Coachwhip Publications 2004

  • Coleman, Loren: "Cryptozoology
         FAQ
    "
         URL: http://www.lorencoleman.com/cryptozoology_faq.html [Stand:
         31.12.2002]

  • Greenwell, J. Richard:
         "So you want to be a Cryptozoologist..."
         In: ISC-Newsletter Vol. 12, No. 1 1993

  • Henninger, Wolfgang: "Biologinnen und Biologen"
         In: BfA-Broschüre: Arbeitsmarkt-Information für qualifizierte Fach- u.
         Führungskrafte

  • Täubner, Mischa: "Biologie"
         In: Die Zeit, Studienführer 2007/2008



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